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Butenschoen-Campus in Landau nach Umbau wieder eröffnet – Wirtschaftlichkeit des Tagungshauses verbessert ? Die Kapelle als Krönung

Nach anderthalbjährigen Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten wieder eröffnet: Das Bildungszentrum Butenschoen-Campus in Landau. Fotos: Iversen

Authentische Kirche braucht theologisches Profil: Andacht im umgebauten protestantischen Bildungszentrum. Foto: Iversen

Mit dem über fünf Millionen Euro teuren Umbau des Butenschoen-Campus in Landau seien Maßnahmen zur besseren Wirtschaftlichkeit des Tagungshausbetriebs umgesetzt worden, sagte Oberkirchenrat Dieter Lutz bei der Einweihung. Die Vorgeschichte der Sanierung habe bereits im Jahr 2009 begonnen. Externe Sachverständige hätten in einem Gutachten festgestellt, dass die bisherige Platzkapazität des Tagungshauses mit 38 Betten in 33 Zimmern eindeutig zu klein sei für eine ­wirtschaftliche Betriebsführung. Vorgeschlagen wurde eine Vergrößerung auf mindestens 60 Betten und 50 Zimmer, sodass gleichzeitig zwei Gruppen tagen und übernachten können. Dieses Ziel sei nun erreicht.

Im Verlauf der Planungen seien die Vorgaben noch um die energetische Sanierung des Altbestands sowie die Optimierung der Tagungsräume und der Büroräume der vier ortsansässigen Institute erweitert worden, sagte Lutz. Ein weiteres Ziel sei eine klare Wegeführung in den Gebäuden und auf dem Gelände gewesen. Krönung der Baumaßnahmen sei die Neuerrichtung einer Kapelle an einem herausgehobenen Standort auf dem Gelände.

Kirchenpräsident Christian Schad warnte die Kirche bei der Andacht zur Eröffnung des Hauses davor, sich auf sich selbst zurückzuziehen. Die Vision einer Kirche als Kontrastgesellschaft zu einer von Gewalt und Ungerechtigkeit geprägten Welt habe in seiner Radikalität zwar etwas Faszinierendes. Aber bei dieser Gegenüberstellung der von Sünde durchwirkten Welt auf der einen und der erlösten christlichen Kontrastgesellschaft auf der anderen Seite bleibe das Bewusstsein für die eigene Unzulänglichkeit auf der Strecke. Außerdem verfehle dieses Bild die Pointe des christlichen Auftrags, als „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ in die Gesellschaft hineinzuwirken.

Auf der anderen Seite dürfe sich die Kirche aber auch nicht vollkommen der Welt anpassen, sagte der Kirchenpräsident. Wenn Kirche nur abbilde, nur verdopple, was die Gesellschaft ohnehin wisse, dann sei sie überflüssig. Deswegen sei es wichtig, sich genau Rechenschaft darüber abzulegen, was der Auftrag der Kirche und des umgebauten Bildungszentrums sei.

Dabei helfe eine dritte Vision von Kirche, die die Stärken der beiden anderen Visionen aufnehme – ihre Schwächen aber vermeide, sagte Schad. Eine authentische und öffentliche Kirche brauche ein klares theologisches Profil. Dann könne sie aus ihrer radikalen Christusliebe heraus eine radikale Liebe zur Welt entwickeln. Das sei die Grundlage dafür, dass Christen auf die Welt nicht als etwas schauten, was verloren sei und den dunklen Kontrast für die eigene Lichtexistenz bilde, sondern als einen Ort, an dem Gott wirke und dem Gottes radikale Liebe gelte.

Im Licht dieser Vision von Kirche sei das Butenschoen-Haus ein Ort, der eine tiefe Liebe zur Welt ausstrahle. Ein Ort, an dem leidenschaftlich gebetet und geglaubt werde, wo Menschen auf den Pfarrberuf vorbereitet und in ihm gestärkt und fortgebildet werden. Lehrerinnen und Lehrer könnten sich und ihre Schülerinnen und Schüler hier als Ebenbilder Gottes wahrnehmen, Besucherinnen und Besucher der Akademie die Perspektive des Glaubens in ihre Reflexion mit einbeziehen.

Wenn die Kirche wirklich „Licht der Welt“ sei, könne sie gar nicht anders, als öffentlich Kirche zu sein, sagte Schad. „Denn wenn Gott in Jesus Christus die Welt mit sich versöhnt hat, kann der Auftrag der Kirche nie auf das Private begrenzt bleiben.“ Deswegen solle dieser Campus ein öffentlicher Ort sein. Und die Architektur des Hauses, mit ihren großen Glasflächen, bringe die damit verbundene Transparenz und Dialogoffenheit sinnfällig zum Ausdruck.

Im Butenschoen-Haus wolle die pfälzische Landeskirche mit der Welt im Austausch sein. Hier sollten Menschen zusammenkommen, um zu beten und sich aus der Kraft des Glaubens in der Welt zu engagieren. In dem Haus solle darüber diskutiert und gestritten werden, was der Glaube für die großen Zukunftsfragen der Menschheit und für die sehr konkreten Herausforderungen in der Region bedeute. koc

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