Bibellese

Sonntag, 28. Mai, Psalm 27

Gott meines Lebens Kraft

Wohl dem, der Gott sein Licht und Heil, seines Lebens Kraft nennen kann und bekennen, dass ihn das frei macht von Furcht und Grauen. Der Psalm strahlt eine unerhörte Zuversicht aus, die beneidenswert wirkt. Was muss dem Beter an Mut machenden Glaubenserfahrungen schon zuteilgeworden sein, sodass er reden kann, als machten ihm keine Bedrohung und Gefahr etwas aus? Er weiß, woher er diese Kraft immer neu bekommt. Er kennt die Freude am Gottesdienst und bittet um lebenslange Teilhabe daran. Er sucht immer neu die Nähe Gottes und hält sich an die Einladung Gottes: „Ihr sollt mein Antlitz suchen.“ Auch er braucht die immer wieder neue Vergewisserung, dass Gott seine Hilfe ist. Er hat durchaus Bitte um Wegweisung nötig und muss sich selbst ermuntern: „Harre des Herrn!“ Sei gewiss, dass er dich nicht verlässt. Psalmen sind Lieder. Sie laden ein zum Mitsingen, auch in Zeiten, wo es uns schwerfällt und uns solche Worte zu vollmundig klingen. Wer es wagt einzustimmen, wird spüren, wie es ihm guttut und wie etwas von der Kraft, die diese Worte ausstrahlen, auf ihn übergeht.

Montag, 29. Mai, Apostelgeschichte 4, 23–31

Neue Kraft aus gemeinsamem Gebet

Erfahrungen von Haft und Prozess hinterlassen ihre Spuren. Der größte Teil der Gemeinde erfährt erst im Nachhinein, was den Aposteln widerfahren ist. Es löst nicht bloß heftige Diskussionen und Strategieüberlegungen aus. Die Gemeinde findet zum gemeinsamen Gebet zusammen. Was sie alle erschüttert und beunruhigt, bringen sie vor Gott. Das Gebet empfängt seine Kraft aus dem Hören auf das biblische Wort. Das hilft gerade angesichts der erfahrenen Turbulenzen zum rechten Beten. Die ausgesprochenen Drohungen gingen unter die Haut. Gerade deshalb ist es wichtig zu beten: Gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort. Freimut in der Verkündigung ist nicht selbstverständlich. Vielleicht wäre manches auch heute in Kirche und Gesellschaft anders, wenn es uns häufiger ein Gebetsanliegen wäre. Gemeinsames ernsthaftes Gebet bleibt nicht ohne Folgen. Eine Erschütterung wird spürbar, die Kraft des Heiligen Geistes erfahren, wie Freimut Ängste kleinhält und überwindet.

Dienstag, 30. Mai, Apostelgeschichte 4, 32–37

Gütergemeinschaft

Erstaunlich ist, wie der Zusammenhalt in der frühen Christenheit wächst, trotz Bedrohung und schwieriger Erfahrungen von Anfang an. An allen muss etwas geschehen sein, was sie grundlegend verändert hat und ein Herz und eine Seele werden lassen. Die Frage bewegt, warum dieser Zauber des Anfangs nicht geblieben ist. Die Unterschiede von Arm und Reich sind überwunden. Niemand muss Mangel leiden. Der Besitz wird geteilt. Besitzer von Immobilien verkaufen ihre Habe, und der Erlös kommt allen zugute. Jeder soll haben, was er braucht. Als ein leuchtendes Beispiel wird Josef Barnabas von Zypern genannt. Er erscheint später mehrfach in der Apostelgeschichte, besonders als Begleiter des Paulus auf der ersten Missionsreise. Er verkauft einen Acker und stellt den Ertrag den Aposteln zur Verfügung. Die frühe Christenheit muss eine ungeheure Freiheit gegenüber Besitz und Eigentum gehabt haben. Sie konnte das „Sorgt nicht“ Jesu leben und erfahren, dass Besitz belastend sein kann und es befreiend ist, sich um des Miteinanders willen davon zu lösen.

Mittwoch, 31. Mai, Apostelgeschichte 5, 1–11

Betrug mit tödlichen Folgen

Eine schaurige Geschichte ist das, wie die Eheleute Hananias und Saphira für ihre Unehrlichkeit sterben müssen. Ist denn der Gott der Liebe so hart? Darf ein Mensch nicht auch ein wenig an sich denken? Niemand hat die beiden gezwungen, ihren Acker zu verkaufen. Die Gütergemeinschaft der ersten Christen war freiwillig und keine Zwangsmaßnahme. Hananias und Saphira hätten ihren Acker behalten und selbst darüber verfügen können. Das Verwerfliche ist ihre Unehrlichkeit. Ihre Großzügigkeit ist vorgetäuscht. Sie tun so, als ob sie alles geben, behalten aber heimlich einen Teil für sich. Einen Grund für ihr Verhalten teilt die Geschichte nicht mit. Der Vorwurf, den Petrus ihnen macht, ist, dass sie Gott belogen haben. Vielleicht darf als ihr Motiv angenommen werden, dass sie vor den Menschen als edel und großzügig erscheinen wollten und dachten: Gott wird es nicht so genau nehmen. Diese Geschichte ist eine ernste Warnung, dass der Versuch Gott zu täuschen tödliche Folgen hat.

Donnerstag, 1. Juni, Apostelgeschichte 5, 12–16

Wunder durch die Apostel

Zur Überlieferung des Neuen Testaments gehören nicht nur die Wunder und Heilungen, die durch Jesus geschehen sind. Auch den Aposteln war diese Kraft verliehen. Warum dieser Geist der ersten Zeugen nicht der Christenheit verblieben ist, bleibt eine bedrängende Frage ohne Antwort. Zu sagen, Lukas habe das Bild der ersten Christenheit zu sehr vergoldet und idealisiert, wird der Frage nicht gerecht. Lukas war jedenfalls überzeugt: Der Geist, der an Pfingsten über die ersten Christen gekommen ist, muss eine unwahrscheinliche Kraft gewesen sein, die eine veränderte Gesellschaft geschaffen hat. Diese Kraft war keineswegs abschreckend, sondern zog Menschen an. Die Zahl derer, die Christus als Hoffnung für die Welt entdeckten, wuchs, sowohl bei Männern wie bei Frauen. Uns heute mag es wie Aberglaube und Hysterie erscheinen, wenn man auf Bahren Kranke anschleppte, damit der Schatten des Petrus auf einige fiele. Es muss erlebbar gewesen sein, wie eine Kraft nicht von dieser Welt am Werke war, dass Menschen tatsächlich gesund wurden.

Freitag, 2. Juni, Apostelgeschichte 5, 17–33

Haft und Befreiung

Das öffentliche Wirken der Apostel im Tempel erregt das Missfallen des Hohen Rats, der sich vornehmlich aus Angehörigen der Partei der Sadduzäer zusammensetzte. Erneut werden die Apostel inhaftiert. Aber Gott sorgt dafür, dass sie dem Gefängnis entkommen, verbunden mit dem Auftrag, am nächsten Morgen wieder im Tempel aufzutreten. Es liest sich fast belustigend, wie die Apostel zur Verhandlung geholt werden sollen, aber die Gefängniszelle gesichert und bewacht, jedoch leer ist. Die Apostel stehen wieder in der Öffentlichkeit des Tempels. Der Polizeihauptmann geht sehr behutsam vor, die Apostel ohne öffentlichen Tumult in den Verhandlungssaal zu bringen. Bisweilen kann Gott die Macht der Mächtigen der Lächerlichkeit preisgeben. Auf den Vorwurf, das ausdrückliche Schweigegebot übertreten zu haben, reagieren die Apostel wiederholt mit dem Bekenntnis, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen, um Zeugen des erhöhten Christus zu sein. Wie schwer zu ertragen dieses Bekenntnis sein kann, zeigt die Reaktion: Es ging ihnen durchs Herz, und sie wollten sie töten.

Samstag, 3. Juni, Apostelgeschichte 5, 34–42

Die bedächtige Vernunft des Gelehrten

Wie gut, dass zu dem Gremium des Hohen Rats der gelehrte Gamaliel gehört hat, bei dem auch Paulus Student war. Er ergreift nicht einfach Partei für die Apostel, aber bringt ruhige Vernunft und Gottvertrauen in die Aufgeregtheit der Verhandlung. Unter Ausschluss der Apostel mahnt er die Versammlung zu bedächtigem Umgang mit den Aposteln. Er erinnert an zwei Unruhe erregende Fälle, Theudas und Judas, den Galiläer. In beiden Fällen hat sich das Problem ohne Eingreifen gelöst. Gamaliel mahnt zu Gottvertrauen: Ist die Angelegenheit von Menschen, wird sie untergehen. Ist sie von Gott, kann kein Mensch etwas dagegen tun. Der Hohe Rat soll im Sinne Gottes handeln und sich nicht dem Vorwurf aussetzen, gegen Gott streiten zu wollen. Gamaliel schafft es mit seinem weisen Rat, Schlimmeres zu verhindern. Immerhin werden die Apostel ausgepeitscht, aber dann freigelassen. Wieder gehen sie mit einem Redeverbot. Aber sie hören keineswegs auf, weiter im Tempel und auch andernorts Christus zu bezeugen. Viktor Meyer

 

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