Bibellese

Sonntag, 23. April, Psalm 116

Von der Todeserfahrung zur Freude

Dieser Psalm für den Sonntag nach Ostern nimmt noch einmal das Osterthema auf: die Rettung aus dem Tod. Natürlich weiß der Psalm aus dem Alten Testament noch nichts von einer Auferstehung, kann er auch nicht. Trotzdem nimmt er uns mit auf dem Weg von den Schrecken des Todes zu der Freude an dem Gott, der Leben schenkt. Diese Freude wird freilich immer wieder infrage gestellt: einmal durch eigene Erfahrungen von Leid und Todesnähe (Vers 16), andererseits aber auch durch Menschen, die andere verletzen (Vers 17). Wie schafft es der Beter, trotz dieser Erfahrungen, die Freude an Gott nicht zu verlieren? Er lebt aus der Erfahrung, dass er sich immer wieder im Gebet an Gott wenden kann, und sei es auch nur mit dem Hilferuf: „Herr, errette mich!“ Auch weiß er, dass er Gottes Kind ist und zur Gemeinde gehört, die ihn trägt und mit ihm Gott lobt und dankt.

Montag, 24. April, Kolosser 1, 21–23

Vom Gotteslob zum Alltag

In einem großartigen Lied wurde das Lob Christi gesungen (Vers 15–20). Im Singen erinnert sich die Gemeinde staunend daran, was Gott bereit war, für seine Schöpfung zu tun: Von Gott her ist alles geschehen, was zur Versöhnung nötig ist; es gilt ein für allemal. Nun besteht die Aufgabe darin, dieses große Loblied in den konkreten, zwiespältigen Alltag herunterzubrechen und zu fragen: Was hat das Leben der Gemeinde mit Schöpfung und Erlösung zu tun? Das Bekenntnis muss sich im Leben niederschlagen. Dann erst wird es glaubwürdig. Der Einsatz Jesu, der Preis, den er mit seinem Tod für die Versöhnung bezahlt hat, will in der Gemeinde Gestalt gewinnen und sich gegen die Mächte und Kräfte behaupten, die die Hoffnung hinterfragen und die Freude am Glauben nehmen wollen. Das „Wenn“ in Vers 20 darf jedoch nicht in dem Sinne verstanden werden, als könne Jesus Christus nur dort Gestalt gewinnen, wo die Gemeinde aus jubilierenden glaubensfesten Christen besteht. Paulus selbst ist das beste Beispiel gegen jeden Triumphalismus, aber für eine klare Ausrichtung des Lebens an Gott.

Dienstag, 25. April, Kolosser 1, 24–29

Von Höhenflügen zur Anfechtung

Paulus selbst, wie die meisten Christen, lebt in der Spannung zwischen dem Lob des großen versöhnenden Gottes und einem Alltag, der oft nichts Großartiges an sich hat. Woher bekommt Paulus die Kraft, mit den inneren und äußeren Widerständen umzugehen, von denen die Apostelgeschichte so anschaulich erzählt? Wie kann er die Niederlagen einstecken, die Streitigkeiten aushalten, mit seiner angeschlagenen Gesundheit umgehen? Widerspricht die Gebrochenheit des Lebens nicht der besungenen Größe Gottes, an der Paulus und alle Christen teilhaben? Letztlich muss die Antwort auf diese Frage das bleiben, was sie von Anfang an war: ein Geheimnis. Der einzige Unterschied zu früher besteht darin, dass seit der Taufe Christus mit all seiner Herrlichkeit nun in uns und unserer Gebrochenheit wohnt. Wo aber Christus in uns wohnt, da ist unser Leben geprägt „von der Hoffnung der Herrlichkeit“ – auch wenn in den Augen Außenstehender manches dagegen zu sprechen scheint. Nicht umsonst spricht Paulus, der große Apostel, von dem „Pfahl im Fleisch“, der ihn immer wieder erdet; vielleicht ist das der Grund, weshalb Gott ihn trotz seiner Bitte nicht davon befreit.

Mittwoch, 26. April, Kolosser 2, 1–7

Vom Apostel zur Gemeinde

Wir bewundern den Arzt, der nach einer sorgfältigen Diagnose die heilende Therapie findet. Wir bewundern den Menschen, der zur rechten Zeit das rechte Wort zu sagen weiß. Manches im Leben lässt sich nicht erlernen, es braucht Erfahrung, vielleicht sogar Weisheit, die man sich durch Beharrlichkeit, viele Umwege und Irrtümer erwirbt. Es ist ein weiter, oft mühsamer Weg. In Christus, so sagt Paulus, liegt die Fülle der Erkenntnis und Weisheit schon für uns bereit. Aber anders als die Ware im Supermarkt kann man sie nicht einfach in den Einkaufswagen legen und mitnehmen. Es reicht auch nicht, sich das Wissen darüber anzueignen. Sie bleibt verborgen, weil wir sie nie als Besitz festhalten können; nur in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus bekommen wir an den Schätzen der Weisheit und Erkenntnis Anteil. Auch für das Leben eines Christen gilt: Lebenslanges Lernen und aus dem Üben gewonnene Erfahrung lassen uns gewiss werden, dass Christus in uns wie wir in ihm leben.

Donnerstag, 27. April, Kolosser 2, 8–15

Das Alte ist vergangen

Was ist richtig? Was ist falsch? Die Unterscheidung wird zunehmend schwieriger, weil sich im weltweiten Netz auch für die abstrusesten Ideen noch ein Beleg finden lässt. „Was Christum treibet“ lautete die Antwort Martin Luthers auf diese Frage. In ähnlicher Weise argumentiert auch unser Abschnitt aus dem Kolosserbrief. In Christus erfahren wir die Fülle des Lebens, die wir uns für uns selbst wünschen. Der Weg dorthin führt über die Taufe; wie die Beschneidung bei den Juden, so nimmt die Taufe uns in den Bund Gottes mit hinein. Durch das damals noch übliche Untertauchen bekommen wir Anteil am Tod Jesu. Der alte Adam mit allem, was nicht recht war, wird „ersäuft“. Das Heraussteigen aus dem Wasser der Taufe ist wie eine Auferstehung zu einem neuen Leben. Mit dem Bild vom „Schuldbrief“ wird noch einmal das Gleiche gesagt: Ein Schuldbrief ist eine persönliche Forderung an mich, weil ich jemand etwas schuldig geblieben bin. Diesen Schuldbrief hat Jesus mir abgenommen und ans Kreuz geheftet. Das Böse der Vergangenheit hat keine Macht mehr über mich. Ich darf ein neues Leben für und mit Christus beginnen.

Freitag, 28. April, Kolosser 2, 16–19

Allein aus Gnade

Im Jubiläumsjahr der Reformation wird uns diese Bibelstelle an Martin Luther erinnern. Gequält von der Frage „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“ hat er sich verzweifelt darum bemüht, die Regeln des Klosterlebens nicht nur einzuhalten, sondern zu übertreffen: mehr zu beten, mehr zu fasten, mehr zu beichten, und das alles, um sich Gott gnädig zu stimmen. Das entsprach der damaligen Lehre der Kirche: Ein Mehr ist gottgefällig. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan“, hat Martin Luther dagegengesetzt. Kein Christenmensch darf einem anderen ein schlechtes Gewissen machen, indem er ihn drängt, bestimmte Vorschriften und Regeln einzuhalten, um vor Gott gut dazustehen. Zu Recht erinnert der Kolosserbrief daran, wer das Haupt der Kirche ist: nicht Menschen, sondern Christus. Wie der Kopf den Körper steuert, so steuert Christus die Gemeinde. Natürlich sind Regeln für ein gelingendes Leben unter Menschen und zwischen Mensch und Gott gut. Aber jede Regel sollte daraufhin hinterfragt werden, ob sie dem neuen Leben mit Christus entspricht und dem Wachstum der Gemeinde dient.

Samstag, 29. April, Kolosser 2, 20–23

Finde Rituale für deinen Glauben

Die Frage, ob eine Speise kultisch rein ist oder nicht, stellen wir uns heute nicht mehr. Fasten, langes Beten, Verzicht auf Schlaf sind für uns heute keine religiösen Übungen mehr. Dieser Abschnitt unterstreicht noch einmal das im vorigen Abschnitt Gesagte: Wenn Menschen mit Christus ein ­neues Leben begonnen haben, dann dürfen sie sich nicht verrückt machen lassen von anderen, die sagen, du musst aber noch dieses tun und jenes lassen, wenn du es wirklich ernst meinst. Heute kommt die Gefahr jedoch eher von der anderen Seite: Um nur keiner Gesetzlichkeit zu verfallen, verzichten wir gleich ganz auf Formen und Rituale des Glaubens. Das ist hier jedoch nicht gemeint. Die Warnung vor falscher Gesetzlichkeit bedeutet eben nicht, dass Glaube keine Formen braucht. Im Gegenteil: Wenn wir die Beziehung zu Christus pflegen wollen, ist es hilfreich, dafür feste Zeiten zu reservieren: den Gottesdienst, das Morgen- und Abendgebet, das Lesen in der Bibel – ohne sich dadurch stressen zu lassen. Martin Henninger

 

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