Bibellese

Sonntag, 31. Mai, Epiphanias 1, 3–14

Erfülltes Leben in Christus

Der Epheserhymnus beginnt mit dem Lobpreis Gottes, „der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus“. Mit solcher Segnung wird uns Gottes Geist zuteil, was wir an Pfingsten feiern. Gottes Geist will uns innerlich erneuern, auf dass wir in der Liebe wandeln und den Frieden Christi in unserem Leben abbilden. Damit verbunden ist unsere Gotteskindschaft, derzufolge wir uns nicht nur als Kinder dieser Welt verstehen sollen, sondern auch um unsere himmlische Heimat wissen. Denn mit Christus ist die „Fülle der Zeiten“ herbeigekommen, weil er das Leben derer, die ihm vertrauen, mit Zuspruch und Heil erfüllen will. Darum ist mit Christus alles zusammengefasst, „was im Himmel und auf Erden ist“. Und unsere Bestimmung ist es demzufolge, dass wir „zum Lob seiner Herrlichkeit“ leben. Darum seien wir als Gläubige „versiegelt“ worden mit dem Heiligen Geist, … welcher ist das Unterpfand unseres Erbes zu unserer „Erlösung“.

Montag, 1. Juni, Psalm 150

Lob Gottes durch Musik

In diesem Psalm triumphiert das Lob Gottes. Gott zu loben, ist die eigentlichste Weise und auf ihn hin zu beziehen. Erkennen können wir Gott nicht. Und seine Geheimnisse zu ergründen, ist uns nicht gegeben. Aber im Lobpreis Gottes bezeugen wir seine Herrlichkeit. Der Ort seines Lobens wird beschrieben mit „seinem Heiligtum“, worunter wir das Haus Gottes verstehen, sei es die Synagoge, sei es die Kirche. Gott wird in diesem Psalm so gelobt, dass das Medium seines Lobens nicht nur unser Glaube ist, sondern auch die Musik: Posaunen und Harfen, Pauken und Reigen, Saiten und Zimbeln. Im harmonischen Zusammenklang dieser Instrumente entsteht eine musikali-sche Mächtigkeit, die mit tiefem Gefühl erfasst, aber mit Worten nicht hinlänglich beschrieben werden kann.

Darum hinterlassen Werke wie „Die Schöpfung“ von Franz Joseph Haydn oder der „Messias“ von Georg Friedrich Händel Eindrücke, die die Seele erheben. Der Psalm 150 ist der letzte des Psalters und schließt ab mit den Worten: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!“ Der Odem ist der Lebenshauch. Darum entspringt das Lob Gottes unserem tiefsten Innern.

Dienstag, 2. Juni, 2. Timotheus 3, 1–9

Die Wahrheit erkennen

Angesichts der Erwartung des baldigen Endes der Welt beschwört Paulus ein Unheilsszenarium herauf, demzufolge alles aus den Fugen ist: Menschen verfallen in Hochmut, Geldgier und Lästerei, begehen Ungehorsam und Schändlichkeit, was nur einige der Untugenden sind, die Paulus hier aufzählt. Dass Katastrophenstimmung nervös machen kann, wissen wir aus der Corona-Zeit. Hinsichtlich der Endzeit, die als globaler Untergang vorgestellt wird, wissen viele nicht, woran sie sich halten sollen, wenn sie nicht von Glauben und Gottvertrauen getragen sind. „Ausschweifungen“ mit dem Ziel, noch möglichst viel vom Leben haben zu wollen, bevor alles vorbei ist, zeugen von Torschlusspanik. Paulus erwähnt solche, „die sich in die Häuser einschleichen und gewisse Frauen empfangen, die mit Sünden beladen sind“. Wenn Paulus auf Zustände in Ephesus abhebt, denkt er vielleicht an das Hafenmilieu mit seinen Umtriebigkeiten. Auch übt er Kritik an denen, „die immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“. Paulus geht davon aus, dass er im Besitz der Wahrheit sei, und die anderes glauben, seien „Menschen mit zerrütteten Sinnen“.

Mittwoch, 3. Juni, 2. Timotheus 3, 10–17

Seligkeit durch Glauben

„Alle, die fromm leben wollen in Jesus Christus, müssen Verfolgung leiden.“ Daran wird deutlich, wie hoch der Preis war, Gott statt den römischen Kaiser zu verehren. Sein eigenes Martyrium deutet Paulus so, dass aus allen Widerwärtigkeiten „mich der Herr erlöst“ hat. Dem Timotheus dankt Paulus, dass er ihm gefolgt sei „in der Lehre“, „im Glauben“ und in der „Geduld“. Für uns irritierend können die Worte an Timotheus sein, dass er „von Kind auf die Heilige Schrift“ kenne. Damit kann aber nur das Alte Testament gemeint sein. Das vermutlich älteste Evangelium, das des Markus, ist erst nach dem Tod des Paulus entstanden und der Kanon des Neuen Testaments erst viel später gebildet worden. Von der „Heiligen Schrift“ sagt Paulus, dass sie „unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Jesu Kommen und sein Wirken als die Vollendung des Alten Testaments gedeutet wird. Denn Jesus selbst sagt über das Gesetz des Mose, er sei nicht gekommen, um es „aufzulösen, sondern zu erfüllen“ (Matthäus 5, 17).

Donnerstag, 4. Juni, 2. Timotheus 4, 1–8

Selbstzeugnis des Paulus

Erneut ermahnt Paulus unter Berufung auf Gott und Christus, die er als Zeugen bemüht, den Timotheus, „das Wort“ zu predigen – sei es zur Zeit oder zur Unzeit. Solches zu tun unter Lebensgefahr, ist nur dem möglich, der selbst zutiefst von dem überzeugt ist, was er verkündet. Solches aber von einem anderen zu verlangen, ist eine Zumutung. Es ist so, als würde der eine den anderen in den Krieg schicken. Paulus tut dies darum, um sein eigenes religiöses Erbe gesichert zu sehen, weil er sich selbst dem Tode nahe sieht. Dabei erklärt er sein Martyrium in einer Weise, dass er sich selbst das Zeugnis eines Glaubenshelden ausstellt: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit.“ Solche Überzeugung ist für Paulus Grund, seinem erwarteten baldigen Ende in Zuversicht entgegenzusehen. Einen Garantieschein für himmlischen Lohn aber kann sich keiner selbst ausstellen. Wem die „Krone der Gerechtigkeit“ zuteil wird, entscheidet allein Gott. Und sein Gericht darf keiner vorwegnehmen, auch Paulus nicht.

Freitag, 5. Juni, 2. Timotheus 4, 9–22

Rückblick und Vorfreude

Paulus bittet Timotheus inständig, ihn bald zu besuchen, da er sich seinem Tod nahe sieht. Er blickt zurück auf ehemalige Gefährten, auf die, die ihn verlassen haben, und auf die, die zu ihm stehen. Mit Enttäuschung erwähnt er, dass ihm bei seinem ersten Verhör niemand beigestanden hat, sondern alle, die mit ihm waren, ihn verließen. Als Parallele dazu mag uns einfallen, dass Jesus, als er vor dem hohen Rat verhört wurde, von Petrus dreimal verleugnet worden ist. Während Jesus das aufgrund seines prophetischen Geistes vorausgesehen hat, betont Paulus, dass Gott ihm beigestanden hat und ihn stärkte, „damit durch mich die Botschaft ausgebreitet würde und alle Heiden sie hörten“. Paulus ist es dabei wichtig, sein missionarisches Wirken so zu deuten, dass Gott ihm dabei geholfen habe. In solcher Genugtuung blickt Paulus in Freude der zukünftigen Herrlichkeit entgegen: „Der Herr aber wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich.“ Paulus beendet seinen zweiten Brief an Timotheus mit Grüßen und dem Segenswunsch: Der Herr sei mit deinem Geist! Die Gnade sei mit euch!

Samstag, 6. Juni, Titus 1, 1–16

Das Maul stopfen

In dem Brief des Paulus an Titus begegnen uns Parallelen zu seinem Brief an Timotheus: Als Absender weist Paulus sich aus als „Knecht Gottes und Apostel Jesu Christi“. Auch den Titus bezeichnet er als „mein rechtes Kind“ im Glauben. Und von den Ältesten, die Titus einsetzen soll, sagt Paulus, „untadelig sein“, „keine Säufer“ und „Mann einer einzigen Frau“. Den Titus ließ Paulus in Kreta zurück, mit der Aufgabe die Gemeinde zu organisieren. Auch hier schimpft Paulus gegen „viele, die sich nicht unterordnen, Schwätzer und Verblendete, … denen man das Maul stopfen muss,“ und versieht den Titus mit der Aufgabe, autoritär aufzutreten und jede abweichende Meinung abzuwürgen. Paulus zitiert einen Kreter, der gesagt haben soll: „Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche“ und fügt an: „Dieses Zeugnis ist wahr. Aus diesem Grund weise sie scharf zurecht.“ Wir fragen uns: Wie viel werden die Kreter sich von Titus gefallen lassen? Oder erhält Titus den Auftrag gegen Windmühlen zu kämpfen? Dieter Leppla