Zukunftsaufgaben für Kirche und Gesellschaft betont

Zentraler Gottesdienst und Festakt zum 500. Jubiläum der Reformation – Wolfgang Thierse fordert zu ökumenischer Ungeduld und Taten auf

Festgottesdienst: In der Dreifaltigkeitskirche Speyer haben die evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz und das Bundesland das 500. Reformationsjubiläums gefeiert. Foto: Landry

Vom SWR aus der Dreifaltigkeitskirche live übertragen: Mit den Gottesdiensten am Reformationstag endet das Festjahr. Foto: Landry

Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt in der Dreifaltigkeitskirche Speyer haben die evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz und das Bundesland am Reformationstag den Höhepunkt des 500. Reformationsjubiläums gefeiert. Nun müssten die Impulse Martin Luthers als Zukunftsaufgabe für Kirche und Gesellschaft angenommen werden, sagte Kirchenpräsident Christian Schad in seiner Predigt vor rund 600 Festgästen in der nach Sanierungsarbeiten wiedereröffneten Barockkirche. Zu dem anschließenden Festakt lud die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein.

Martin Luther habe sich gegen alle Formen von Gewalt ausgesprochen, auch gegen Gewalt, die von Religionen ausgehen könne, sagte Schad in seiner Predigt. Als Übersetzer der Bibel in das Deutsche habe Luther die Spirale der Gewalt durch die Macht der Sprache Gottes durchbrochen, die Liebe sei. Diese führe nicht nur die christlichen Konfessionen zur sichtbaren Einheit, sondern habe auch die Kraft, zwischen den Religionen Frieden zu schaffen, sagte der Kirchenpräsident.

In seiner Festansprache appellierte der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, den „Luthereffekt“ in der durch Globalisierung und Migrationsbewegungen herausgeforderten Gesellschaft zu erhalten. Luther und die Reformation hätten den Anstoß gegeben für die Gewissens- und Religionsfreiheit des Einzelnen und einen Staat, der religiös und weltanschaulich neutral sei.

Das Reformationsjubiläum verpflichte alle Bürger zu „Toleranz als Respekt vor den anderen“, sagte der SPD-Politiker, der auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist. Angesichts ihrer „bitteren Lerngeschichte in Sachen Toleranz und Freiheit“ müssten sich die Kirchen gegen den politischen Missbrauch von Religion wehren. Dass Toleranz und Freiheit praktisch gelebt werden könnten, sei der Sinn des Reformationsjubiläums und mache die Erinnerung an die Reformation wichtig.

Er spüre „ökumenische Ungeduld“ am Ende des „Reformationsjubeljahrs“, sagte Thierse. Die Gründe, die zu Zeiten Luthers zur Kirchentrennung führten, könnten heute keine Gültigkeit mehr beanspruchen. Die ständige Wiederholung des Worts von der „versöhnten ­Verschiedenheit“ scheine ihm „ein Beruhigungsmittel, eine resignative Losung für ökumenischen Stillstand“ zu sein. Protestanten und Katholiken müssten nun „zeigen, dass es ein gelingendes Miteinander in der Vielfalt gibt“, sagte Thierse.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigte Zuversicht und Optimismus als wichtige Errungenschaften der Reformation, die Kraftquellen für eine gute Zukunft des Landes sein könnten. Diese positive Grundhaltung sollte auf die ganze Gesellschaft ausstrahlen. Die Reformation habe den Weg zur pluralen Demokratie mit der Trennung von Staat und Kirche geebnet. Dabei dürften keine Abstriche zugelassen werden, sagte die Ministerpräsidentin. Mit der Betonung des Gewissens und der Freiheit sei die Reformation grundlegend für die Entwicklung universaler Werte gewesen. Sie dankte den vielen Bürgern in Rheinland-Pfalz, die sich mit viel Fantasie für die Erinnerung an die Anfänge der Reformation engagiert hätten.

Am Festgottesdienst beteiligten sich der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, der rheinische Präses Manfred Rekowski, die stellvertretende hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf, der griechisch-orthodoxe Erzpriester Georgios Basioudis, die Mennonitin Ruth Raab-Zerger sowie Vertreter Speyerer Kirchengemeinden. Die musikalische Gestaltung hatte Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger an der Orgel, unterstützt vom Bläserensemble des Pfälzischen Posaunendienstes unter Leitung von Christian Syperek und dem Chor des Pfalztheaters Kaiserslautern. Mit den Feierlichkeiten endete das Festjahr, mit dem Kirche, Staat und Gesellschaft an die tief greifenden Auswirkungen von Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 erinnerten. Einmalig war der Reformationstag 2017 bundesweit ein arbeitsfreier Feiertag. KB

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