Luthers festlicher Umtrunk auf Umwegen unterwegs

Kirchengemeinde Bellheim-Knittelsheim lässt sich eigenes Bier zum Reformationsjubiläum brauen – Verkauf in Dekanaten für guten Zweck

Haben sich das Pfälzer Bier zum Reformationsjubiläum in Schweden brauen und von dort aus nach Bellheim schicken lassen (von links): Gemeindepfarrerin Heike Messerschmitt, Ingrid Kern, Rainer Fang und Helmut Kern. Foto: Iversen

Bier und Bellheim: Pilstrinker und Weizenliebhaber in der Südpfalz kombinieren beides miteinander, produziert doch die Brauerei Bellheimer seit mehr als 150 Jahren Biere. Seit wenigen Tagen steht dem die Kirchengemeinde Bellheim-Knittelsheim nicht nach. Sie hat im Reformationsjubiläumsjahr ein eigenes Bier auf den Weg gebracht.

Begonnen hatte das Projekt Festbier schon im vergangenen Jahr, erzählt Gemeindepfarrerin Heike Messerschmitt. „Die Idee kam mir bei einer Radtour im Sommer.“ Schließlich sei Bier, das Luthers Ehefrau Katharina von Bora gebraut habe, wohl eines der Hauptnahrungsmittel des Reformators gewesen, merkt sie an. „Und im Sommer, wenn’s richtig warm ist, trinke ich auch mal gerne ab und zu ein Bier.“ Messerschmitt stellte die Idee der Bellheimer Brauerei vor. Die winkte jedoch ab. „Die Charge, die wir produzieren wollten, war ihnen zu klein“, sagt die Pfarrerin. Dabei hatte sie mit der Landeskirche und mehreren Dekanaten schon künftige Käufer im Boot, die einen Teil der 3000 Liter Bier abkaufen wollten.

Doch die Absage hielt die Kirchengemeinde nicht von ihrem Projekt ab. „Der Sohn des früheren Bellheimer Pfarrerehepaars Heike und Jürgen Krebs, Ulrich, ist Bierbrauermeister in Schweden“, sagt Messerschmitt. So entstand im hohen Norden die Kreation „Luthers festlicher Umtrunk“, ein sechs Prozent starkes Bier mit malziger Note. „Ich persönlich finde es sehr lecker, es hat einen weichen, runden Geschmack, ist nicht so herb, kommt deshalb sicher bei Männern und Frauen an“, sagt die Pfarrerin, die schon vorab Proben zur Verkostung bekam – genauso wie viele andere Gemeindemitglieder, die am Projekt beteiligt waren. Hans Kiefer, Mitglied der Bezirkssynode Bellheim-Knittelsheim, entwarf beispielsweise das Flaschenetikett, auf dem Luther mit seinem Zitat „Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken“ für den Umtrunk wirbt. Den wohlklingenden Begriff „Luther­bier“ durfte die Gemeinde wegen Namensrechten nicht benutzen. Jürgen Schaaf sorgte mit seinem Unternehmen Schwedenkontor Pfalz für die Organisation des Imports und die Logistik, Horst Kliebe kümmerte sich um einen Hubwagen zum Ausladen.

Allerdings verlief der Transport der ersten Lieferung, insgesamt 160 Kisten auf drei Paletten, nicht ganz reibungslos. Statt der Pfalz steuerte der Transporter von DB-Schenker von Kiel aus irrtümlicherweise Nürnberg an. Ein ganzes Wochenende hing das kostbare Bier so in Bayern fest. Schließlich gingen beim Verladen in Mannheim dann auch noch 32 Kisten zu Bruch. „Das ist sehr ärgerlich“, findet Messerschmitt, die sich jetzt um einen Schadensbericht kümmern muss. Schließlich sei die Nachfrage nach dem Bier hoch. So kann sie sich durchaus vorstellen, über Schweden im kommenden Jahr noch einmal nachliefern zu lassen, sollte das Bier so gut ankommen, wie es derzeit aussieht. „Das geht ja auch außerhalb des Reformationsjahrs.“

Verkauft werden soll das Starkbier nun für einheitlich 2,50 Euro pro 0,33-Liter-Flasche – für den Weiterverkauf können andere Kirchengemeinden das Bier in Bellheim-Knittelsheim für etwas mehr als einen Euro erwerben. In Bellheim-Knittelsheim ist Luthers festlicher Umtrunk im Pfarramt, nach dem Gottesdienst in den Kirchen oder bei Veranstaltungen zu bekommen. Der Gewinn fließt in Bellheim zum Teil in die Sanierung des Gemeindehauses. Andere Kirchengemeinden werden ihn sozialen Zwecken zukommen lassen oder für die Gemeinde verwenden, sagt Messerschmitt. Wenn alles gutgeht, ist gegen Sommer dann die zweite Lieferung der insgesamt 9072 Flaschen geplant. Florian Riesterer

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