Die Ruine steht für sich auflösende alte Strukturen

Stiftskirchengemeinde Landau zeigt die Ausstellung „… der Geist aber macht lebendig“ von Madeleine Dietz – Vernissage für 31. Mai geplant

Präsentiert im Altarraum der Stiftskirche in Landau ihre Fotoinstallation: Die Künstlerin Madeleine Dietz. Foto: Iversen

Kunst und Kirche zum Lutherjahr: Im Altarraum der Stiftskirche in Landau ist ab Mittwoch, 31. Mai, eine großflächige Fotoinstallation der Bildhauerin Madeleine Dietz zu sehen. Der Altarraum der gotischen Kirche erfährt eine imposante Metamorphose. Die Installation funktioniert ihn für zwei Monate zur Projektionsfläche des Hier und Jetzt der aktuellen Weltlage um. Madeleine Dietz, Landauer Künstlerin mit weltläufiger Reputation – nicht zuletzt ihrer tiefgründig einfühlenden Arbeiten in Kirchenräumen wegen –, hat zum Reformationsjubiläum einen Brückenschlag zu Luthers aufrührerischem Thesenanschlag geschaffen. Am Mittwoch, 31. Mai, wird die Fotoinstallation der Öffentlichkeit vorgestellt.

Luthers Thesenanschlag 1517 – im reinen Wortsinn ein Anschlag auf die zementierten Grundsätze der Amtskirche – brachte Bewegung und lenkte auf neue Wege. Ein permanentes Fragment, zuweilen auch Irrweg, aber lebendiges Zeugnis der suchenden menschlichen Mobilität. Dietz übersetzt das eins zu eins in ihre Formsprache. Stahl und Erde stehen für Prozesse von zeitweiser Stabilität, aber gleichzeitig auch für Demontagen, Aufbrüche und neue Konstellationen. Dietz kommt damit Martin Luther und seiner Einsicht in die Vorläufigkeit menschlicher Existenz und dem gleichzeitigen Vertrauen auf Gott als einer „festen Burg“ nah.

„… der Geist aber macht lebendig“ lautet das Motto der Ausstellung. Die Vernissage vereint mehrere Kunstformen: Denn auch die Tanz-Performance von Verena Wilhelm und Kirill Berezowski in der Choreografie von Mike Planz (Nationaltheater Mannheim) ist ein Kommentar zum Thema, ebenso wie die musikalische Begleitung durch die Geigerin Lyubov Sampiyeva, die Stücke des Komponisten Ernest Bloch interpretieren wird. „Reformation pur“, wie die Geigerin findet. Es sind poetische Transformationen jüdischer Volksmusik in die moderne, teils atonale Tonsprache. In die Ausstellung führt Birgit Weindl ein, landeskirchliche Referentin für Kunst und Kirche.

Die „geschichtete“ Zeit, Rastlosigkeit einerseits und Sehnsucht nach Bestand und Sicherheit, Ganzes und Unfertiges, Vitalität im Angesicht von Tod und Vernichtung – um diesen Themenkomplex kreist das Werk von Madeleine Dietz. Es lädt ein, sich bewusst zu werden. Zum Beispiel darüber, wie schlüpfrig und zerfließend Wege sind, auf denen wir – scheinbar sicher – gehen. Mitten im Schutzraum Kirche wird der Betrachter konfrontiert mit der Ansicht eines zerstörten Hauses. Das Schicksal der Ruine und ihrer einstigen Bewohner drängt sich unwillkürlich auf. Hypothetisch, aber im Zusammenhang mit den aktuellen weltweiten Fluchtbewegungen. Die Scheinbarkeit gesicherter Strukturen wird bewusst.

Die Eröffnung gestalten am Mittwoch, 31. Mai, ab 19.30 Uhr Pfarrerin Gerlinde Wnuck-Schad und Birgit Weindl. Tanzeinlagen kommen von Kirill Berenzovski und Verena Wilhelm. Lyubov Sampiyeva spielt Violine. Die Ausstellung „... der Geist aber macht lebendig“ in der Stiftskirche Landau, Marktstraße 93, ist bis 31. Juli dienstags bis freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags von 11 bis 13 Uhr zu sehen. gpo

 

 

Begleitprogramm

Am Freitag, 9. Juni, tritt um 19.30 Uhr in der Stiftskirche das „Ein-Frau-Theader Freinsheim“ mit „Beshno az ney – Kleine Anfrage nach Humanität“ auf. Die Schauspielerin Anja Kleinhans schildert das fiktive Schicksal eines Flüchtlingsmädchens zwischen 2015 und 2049. Mehmet Ungar begleitet auf der Rohrflöte. In einer Gottesdienstreihe sonntags ab 10 Uhr greift Pfarrer Volker Hörner am Pfingstsonntag, 4. Juni, das Ausstellungsmotto „… der Geist aber macht lebendig“ auf, gefolgt am 18. Juni von Politikprofessor Ulrich Sarcinelli mit dem Thema „Freiheit und Verantwortung als reformatorischer Auftrag“. Michael Deckwerth nimmt am 2. Juli Bezug auf das Markus-Zitat „Dass die Steine singen“. gpo

 

 

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