Der Reformationstag muss Feiertag werden

von Hartmut Metzger

Hartmut Metzger

In Niedersachsen wird über den Reformationstag als ständigen arbeitsfreien Feiertag diskutiert: Zum einen, weil sich dort SPD und CDU in ihren Koalitionsverhandlungen darauf verständigt haben, einen zusätzlichen Feiertag einzuführen; zum anderen, weil die Verhandlungen in das runde Reformationsjahr 2017 fielen. Den Stein ins Rollen brachte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil. Der Sozialdemokrat erklärte, dass ihn die Art und Weise überzeugt habe, wie die evangelische Kirche das Jubiläumsjahr begangen hat. Der 31. Oktober als „Tag des Brückenschlags zwischen den Religionen“ mache daher „viel Sinn“ und sei „ein guter Grund für einen Feiertag“.

Auch in den Nachbarländern Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein wird erwogen, den Reformationstag zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. Die vier norddeutschen Länder sowie Berlin haben bisher neun gesetzliche Feiertage, das sind im bundesweiten Vergleich die wenigsten. Bayern dagegen kommt auf 13 Feiertage, in Baden-Württemberg und dem Saarland sind es zwölf, in Rheinland-Pfalz elf und in Hessen zehn.

Nun ist die Diskussion um den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag, was er ja 2017 erstmals bundesweit war, nicht ganz spannungsfrei. Schließlich ist der 31. Oktober seit der deutschen Vereinigung bereits in den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen gesetzlicher Feiertag. Und in Sachsen gilt das noch immer für den Buß- und Bettag, den bis 1995 deutschlandweit einzigen evangelischen Feiertag, den die evangelische Kirche 1994 der Einführung der Pflegeversicherung ohne den gewünschten Effekt geopfert hat.

Während sich die evangelischen Kirchen in Niedersachsen für den dauerhaften Feiertag am 31. Oktober einsetzen, bleibt es im Süden merkwürdig still. Sie sehe keine Notwendigkeit, weitere Feiertage zu fordern, erklärt die Evangelische Kirche der Pfalz. Und die hessen-nassauische Kirche will aus Furcht vor Forderungen der Wirtschaft zuerst einmal den Besitzstand sichern. Dass solche Begehrlichkeiten Unsinn sind, zeigt sowohl die finanziell gescheiterte Abschaffung des Buß- und Bettags als auch die wirtschaftliche Überlegenheit des Südens, wo es die meisten Feiertage gibt.

Die Protestanten in Norddeutschland wollen die Gunst der Stunde nutzen und werben für den 31. Oktober als dauerhaften gesetzlichen Feiertag offensiv. Sie wollen die reformatorischen Impulse in die Gegenwart übersetzen und für die Zukunft fruchtbar machen. Der Süden schaut zu.

Klar – Feiertage sind Ländersache. Das Anliegen des Reformationstags in seiner jetzt gefeierten ökumenischen Dimension wäre aber deutschlandweit für die Gesellschaft und für alle Religionen ein Gewinn. Der 31. Oktober wäre der Feiertag, den Deutschland braucht. Das könnten jetzt sogar die Katholiken unterstützen. 

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