Brücke zwischen Ost und West

Slowenien ist Weltgebetstags-Land 2019 – Die kleine evangelische Kirche leistet starke diakonische Arbeit

Eines der Haupttouristenziele in Slowenien: Der Bleder See mit der Insel Blejski Otok vor den Julischen Alpen. Foto: pv

Hat sich herausgeputzt: die Hauptstadt Ljubljana. Foto: pv

Slowenien richtet am 1. März den Weltgebetstag der Frauen aus. Das Land wurde ausgesucht, weil es sich als junge Demokratie mit kommunistischem Erbe auf den Weg zu einer erfolgreichen Zukunft gemacht hat.

Politisch ist die Situation nach den Wahlen im Juni 2018, bei der die rechtskonservative SDS-Partei vorn lag, fragil. Deren Parteichef Janez Janša, von 2004 bis 2008 und 2012 bis 2013 Ministerpräsident Sloweniens, versprach Wirtschaftsreformen – und das kleine Land von Flüchtlingen abzuriegeln, die 2015 auch durch Slowenien zogen. Ungarns Politik unter Viktor Orbán sieht er als Vorbild. Janša war 2013 wegen Korruption zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Verfassungsgericht hob das Urteil später auf. Allerdings weigerten sich im Sommer 2018 die weiteren Parteien im Parlament, mit ihm zusammenzuarbeiten. Monatelang gab es turbulente Verhandlungen.

Schließlich brachte der linksliberale Marjan Šarec – ein ehemaliger Bürgermeister und Komiker mit seiner LMS-Partei ein Bündnis aus fünf Parteien zusammen, das auf 43 der 90 Sitze im Parlament kommt. Die Linkspartei, nicht im Bündnis vertreten, stützt mit ihren neun Sitzen die Regierung. Am 13. September 2018 bestätigten mit 45 Stimmen genau die Hälfte der slowenischen Abgeordneten bei neun Enthaltungen seine Minderheitsregierung.

Die Minderheiten im Land, gerade Kroaten und Ungarn, aber auch sozial schwache Menschen gelten als Verlierer der Staatswerdung. Zwar konnte sich das Land – in der Bevölkerungszahl und der Fläche ähnlich groß wie Sachsen-Anhalt – aus den Bürgerkriegen Ex-Jugoslawiens der 1990er Jahre heraushalten. Es schwelt jedoch ein Grenzstreit mit Kroatien vor allem um die lukrative Adriaküste.

Slowenien trat 2004 der EU bei und hat seit 2007 den Euro. Die Wirtschaftskrise 2008 traf gerade ältere und wenig bewegliche Menschen: Sie konnten mit dem Wandel der 1990er Jahre kaum Schritt halten. Die Lebenshaltungskosten sind ähnlich hoch wie in Deutschland, Mieten in den Städten steigen, die Löhne sind aber deutlich geringer. Die Hauptstadt Ljubljana ist schick herausgeputzt, doch auf dem Land wird es schnell grauer.

Besonders die kleine Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien leistet kräftig diakonische Arbeit – obwohl ihr gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung angehören. „Wir sind eine historische Kraft“, so Bischof Geza Filo. Der Reformator Primus Truber gilt im Land als Vater der slowenischen Sprache und Identität. So ist der Reformationstag trotz der wenigen Protestanten ein Nationalfeiertag. Nachdem er seine Heimat verlassen musste, fand Truber den Weg nach Rothenburg ob der Tauber und schließlich nach Tübingen.

Im armen Osten Sloweniens, dem Gebiet östlich des Flusses Mur, ist die Lutherische Kirche sehr verwurzelt. In den ehemaligen ungarischen Gebieten dort konnte sie die Verfolgungszeit der Gegenreformation überdauern. Heute herrscht im Übermurgebiet im Osten überdurchschnittlich Armut und Arbeitslosigkeit, Landflucht und Überalterung. Dort verteilen ehrenamtliche Helfer Essen auf Rädern an ältere Menschen. Und sie verleihen Pflegebetten. Denn ein Platz in einem Pflegeheim ist in Slowenien unbezahlbar. „Podpornica“, auf Deutsch „Unterstützung“ schlägt die Brücke gen Osten. So heißt die Diakonie vor Ort, die Geza Filo vor seiner Bischofswahl lange leitete. Das Gustav-Adolf-Werk stellte 2018 Slowenien und den Kosovo in den Mittelpunkt. Der Weltgebetstag brachte dem Land zusätzliche ökumenische Aufmerksamkeit.

Pfarrerin Simona Prosic Filip leitet neben ihrer Gemeinde im Übermurgebiet auch die Frauenarbeit der evangelischen Kirche Sloweniens. Sie hat vielerorts Frauenkreise aufgebaut, die viele ex-jugoslawische Gastarbeiterinnen besuchen. Die Pfarrerin bietet Wochenendseminare an, damit die Frauen sich in Ruhe austauschen können. Gerade auf dem Land mit ausbaufähigen Wegen herrsche riesiger Bedarf, sagt sie. Sloweninnen luden 2017 Frauen aus Kroatien und Serbien ein. Dabei kamen die Folgen der Kriege mit ihren Vorurteilen zwischen den Bevölkerungsgruppen zur Sprache. Susanne Borée

Weltgebetstagsfeiern in der Landeskirche

An rund 250 Orten feiern Protestanten und Katholiken in der Pfalz den Weltgebetstag, knapp 700 Teilnehmerinnen und damit ähnlich viele wie 2018 besuchten die 25 Vorbereitungstreffen, sagt Christine Gortner von der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft in Kaiserslautern. Im Folgenden eine Auswahl:

Freitag, 1. März:

Blieskastel, protestantische Kirche, 16 Uhr; Breunigweiler, protestantische Kirche, 19 Uhr, mit Bildvortrag; Dietsch­weiler, evangelische Kirche, 19 Uhr, mit Imbiss; Ebernburg, evangelisches Gemeindehaus, 17 Uhr, mit Essen; Frankenthal, Gemeindezentrum Pilgerpfad, 18.30 Uhr; Geiselberg, protestantische Kirche, 18 Uhr, mit Essen; Godramstein, protestantische Kirche, 18 Uhr, slowenische Speisen im Gemeindehaus; Haßloch, Pauluskirche, 19 Uhr, slowenische Spezialitäten; Hinzweiler, evangelische Kirche, 18 Uhr, slowenisches Essen; Homburg-Beeden, Friedenskirche, 15 Uhr; Hüffler, Gemeindehaus Wahnwegen, 17 Uhr, Imbiss; Landau, Lukaskirche, 18 Uhr, mit Imbiss; Lauterecken, evangelischer Gemeindesaal, 19 Uhr, slowenisches Essen; Maximiliansau, evangelische Kirche, 18.30 Uhr, mit Essen im Gemeindehaus; Neustadt, Casimirianum, 15 Uhr, Kaffee und Kuchen; Niedergailbach, Generationentreff, 17 Uhr; Odenbach, protestantisches Gemeindehaus, 19 Uhr, mit Essen; Rohrbach, Simultankirche, 18.30 Uhr, mit Essen; Siegelbach, evangelische Kirche, 18 Uhr, mit slowenischem Essen; Ulmet, evangelisches Gemeindehaus, 18 Uhr, mit Essen; Waldfischbach, protestantische Kirche, 18 Uhr, Diavortrag und Essen im Gemeindehaus; Winnweiler, protestantische Kirche, 18 Uhr, mit Imbiss.

Freitag, 8. März

Alsenborn, protestantische Kirche, 19 Uhr, mit Essen; Alsenz, evangelisches Gemeindehaus, 19 Uhr, mit Essen; Bechhofen, protestantische Kirche, 19 Uhr, mit Essen; Berg, evangelisches Gemeindezentrum, 18.30 Uhr; Börrstadt, protestantische Kirche, 19 Uhr, mit Essen; Bolanden-Weierhof, Mennonitenkirche, 19 Uhr, Tee und Kuchen; Bornheim, Dorfgemeinschaftshaus, In den Weppen 1, 19 Uhr, mit slowenischem Essen; Eßweiler, evangelische Kirche, 19 Uhr, danach Treffen im Bürgerhaus; Gundersweiler, protestantische Kirche, 8. März, 18 Uhr; Kaiserslautern, Unionskirche, 19 Uhr; Kirkel-Neuhäusel, Jochen-Klepper-Haus, 18 Uhr, landestypisches Essen; Kusel, Stadtkirche, 17 Uhr, Bildvortrag und slowenisches Essen; Ludwigshafen, Comeniuskirche, 19 Uhr, slowenisches Essen; Neuburg, Bürgerhaus, 18.30 Uhr, Imbiss; Schönenberg-Kübelberg, protestantische Kirche, 18 Uhr, mit Essen im Gemeindehaus; Pirmasens, Lutherkirche, 18 Uhr, Treffen im Gemeindehaus; Sondernheim, evangelische Kirche, 18.30 Uhr, mit Essen

Alle Termine sind unter Telefon 0631/3642129 zu erfragen und stehen demnächst auf www.evangelische-arbeitsstelle.de.

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